



Mit der „Globalisierung“ der Wirtschaft, der „Lokalisierung” der Probleme und der „Individualisierung“ der Gesellschaft beginnt in ganz Europa das Zeitalter der „Glokalisierung“. Immer grössere Teile der Wirtschaft werden eine weltweite Bewegungsfreiheit erzwingen und hemmende nationale Fesseln abstossen. Desgleichen werden gesellschaftliche Gruppierungen eine lokale Selbstbestimmung einfordern. Neue soziale, aber auch alte regionale Bewegungen werden wichtiger als nationale Netze - ganz besonders in heutigen Grenzregionen, die nun wieder - wie früher - zu zentralen Drehscheiben werden. Eine ”funktionale Mobilität bei personeller Immobilität” ermöglicht eine immer stärkere räumliche Entflechtung von Wohnen und Arbeiten, Produktion und Konsum, Sparen und Investieren. Moderne Verkehrsmittel, leistungsfähige Telekommunikationsnetze, Satellitentechnologie, Internet und Cyberspace erleichtern zumindest innerhalb Europas eine Abstimmung per Möbelwagen, mit dem Geschäftssitz, dem Steuerdomizil und dem Bankkonto. Diese Entwicklungen sind von fundamentaler Bedeutung. Die noch immer starke Dominanz des Denkens in „Ländern“ wird durch ein Denken in „Wirtschaftsegionen“ abgelöst werden. Künstliche „Staatsräume“ nähern sich weiter den natürlichen „Wirtschaftsräumen“ an. Immer weniger werden es „Volkswirtschaften“ sein, die miteinander im Wettbewerb stehen, sondern zunehmend „Regionen“. Attraktive Regionen werden durch Zuwanderung ”belohnt”. Die europäische Landkarte erhält ihre Konturen künftig durch städtische Ballungszentren, regionale Wachstumsbananen, aber auch darbende Rostgürtel und nicht mehr durch politisch gesetzte Grenzzäune. Wer Erfolg haben will, muss für gute Spieler attraktiv sein. Genauso attraktiv müssen Regionen für hoch qualifizierte, innovative, kreative Arbeitskräfte und zukunftsfähige Firmen sein. Die rechtlichen und gesellschaftlichen Spielregeln, das polit-ökonomische Spannungsfeld, der Optionenraum, der individuellem Handeln offensteht, die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Sektors inklusive der Verwaltung, die Steuerlast, die Gebühren und Abgaben - kurz die lokalen ”Rahmenbedingungen” - bestimmen entscheidend, wie erfolgreich eine Region im europäischen Wettbewerb ist. Wenn sich Fachkräfte, Firmen und Kapital immer leichter verschieben lassen, dann treten standortspezifische Unterschiede des politisch-rechtlichen Rahmens um so deutlicher hervor. Lokale Attraktivität hat dann nicht mehr viel mit gott-gegebenen Vorteilen zu tun. Sie ist eindeutig ”man-made”, d.h. politik-bestimmt.